Information und Diskussion mit einer Medienexpertin

Wasserburg – In Zeiten, in denen mehr und mehr vor allem – aber nicht nur – junge Menschen stundenlang an ihren Handys kleben und von Social-Media-Plattformen wie TikTok nicht mehr wegkommen, in Zeiten, in denen diese Suchtproblematik sogar vor einem amerikanischen Gericht landet, und sich die Macher dieser Seiten vor Gericht verantworten müssen (wenn sie nicht über einen Vergleich noch einen Notausstieg finden), in diesen Zeiten organisierte Frau Huber für unsere Schule einen Expertenvortrag zu eben dieser Thematik. Frau Marion Uschold, Journalistin und Social-Media-Expertin, u. a. tätig für BR3 und BR24, stellte in einem Expertenvortrag den Schülerinnen und Schülern der 12. und 13. Klassen am Beispiel von TikTok zahlreiche Hintergrundinformationen vor und diskutierte anschließend mit den Zuhörerinnen und Zuhörern über deren Erfahrungen und Meinungen.

Das Suchtpotential ist enorm groß

Frau Uschold berichtete davon, dass der Algorithmus, der im Hintergrund die für den Nutzer passenden, da seinen Interessen entsprechenden, Videos auswählt, zunehmend KI-gestützt arbeitet. So erkennt TikTok sehr rasch aufgrund des beobachteten Nutzerverhaltens, wenn z. B. manche Videos sofort abgebrochen, andere aber zu Ende angesehen werden, was individuell gerne gesehen wird. Das einzige Ziel der Plattformbetreiber, nämlich die Nutzer möglichst lange am Bildschirm zu halten, kann damit zunehmend besser erreicht werden. Eine spontane Frage ins Plenum ergab tatsächlich, dass viele Schülerinnen und Schüler täglich gleich mehrere Stunden mit diesem Medium verbringen und nach eigenen Angaben oft einfach nicht aufhören können, obwohl ihnen bewusst ist, dass sie manipuliert werden und die Zeit eigentlich für andere Dinge besser nutzen könnten. Es entsteht eine Sucht, Sucht nach den Glücksmomenten, wenn dann doch ein neues Video wieder ein „Volltreffer“ ist, auch wenn man dafür vorher so einige weniger großartige Videos ansehen muss.

Einseitige Information – Falschinformation – Hass und Hetze

Ein weiteres Problem bezeichnete Frau Uschold als „Rabbit hole“. Dieser Begriff beschreibt, dass man in ein Thema regelrecht hineingezogen werden kann, was z. B. bei einseitig beleuchteten politischen Themen oder bei Recherchen zum Thema Depression dazu führt, dass man nur noch Videos der selben Art präsentiert bekommt, keinen Blick mehr für andere Dinge, Meinungen oder Perspektiven mehr hat. Diese negative Entwicklung betrifft unsere Gesellschaft ebenso wie der Aspekt, dass auf TikTok & Co. jeder alles behaupten und verbreiten kann. So ist der Verbreitung von Fakenews, Hass und Hetze Tür und Tor geöffnet, v. a., wenn ca. 35% der 18- bis 24-Jährigen hauptsächlich soziale Medien als Nachrichtenquelle nutzen und Meldungen kaum einmal mittels seriöser journalistischer Presseorgane auf ihre Korrektheit überprüfen. Natürlich seien auch hieb- und stichfeste Quellen auf TikTok vertreten (z. B. BR24, aber auch andere), man müsse einfach kritisch und genau hinsehen. Dies zeigte Frau Uschold dann direkt an konkreten Beispielen von Fake-Videos und warnte aber, dass mit den voranschreitenden Möglichkeiten der KI diese Fälschungen womöglich in Zukunft nicht mehr wirklich für einen Nutzer als solche zu erkennen sein würden, auch bei näherer Betrachtung nicht. Dann würde nur noch ein Faktencheck über verschiedene Quellen außerhalb der Social-Media-Plattformen helfen.

Belegt seien inzwischen auch die Korrelationen zwischen immer häufiger auftretenden Depressionen und dem häufigen Nutzen von Social Media.

 Was kann man nun dagegen tun?

Die Expertin rät dazu, die ständige Präsenz der sozialen Medien zu reduzieren, in dem man z. B. Push-Nachrichten deaktiviere, sich bewusst Zeitlimits für die Nutzung setze, bestimmte Apps nicht so leicht greifbar auf den Homescreen setze oder einfach das Handy nicht immer direkt zur Hand habe.

 Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern

In der abschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Meinungen der Schülerinnen und Schüler zu einem Verbot von Social-Media-Plattformen für Jugendliche eines bestimmten Alters, wie man sie in Australien und nun auch in Frankreich etabliert, auseinandergehen. Schlussendlich sei es auch eine Frage der Durchsetzbarkeit, an dieser wurde gezweifelt.

 Fazit

Somit bleibt am Ende des Tages die Botschaft, dass die jungen Nutzerinnen und Nutzer, sowie möglichst auch deren Eltern, immer wieder auf die Risiken des Social-Media-Konsums aufmerksam gemacht werden müssten. Selbst wenn diese Aspekte allen theoretisch bekannt sein sollten, so führt eine immer neue Auseinandersetzung damit hoffentlich dazu, dass die Schülerinnen und Schüler auch immer wieder das eigene Nutzerverhalten kritisch reflektieren und ihr Wissen um die negativen Konsequenzen eines ungesunden Social-Media-Konsums in einen letztlich tatsächlich veränderten Umgang damit übertragen.

Artikel und Fotos: Ingeborg Huber als Organisatorin des Vortrags